Die erste Regattabahn des PSV von 1909

Karte - Die erste Regattabahn des PSV von 1909

1950er Jahre bis heute

Ein Verein entsteht

Der Zweite Weltkrieg war vorüber. In der letzten, noch unbesetzten Zone Deutschlands entwaffnete sich das Militär. Die Seen lagen voller Munition und Kriegsgerät. Die Torpedoversuchsanstalt (heute Jugendfreizeitstätte Bosau) schoß nicht mehr in Richtung Stadtbek-Pehmen. Der Segelsport, der besonders in Plön, aber auch ein wenig in Bosau beheimatet war, lag darnieder.

Foto alter Zeltplatz

links: Alter Campingplatz

Fischer Wilkens hatte noch ein Motorboot, ein Bauer aus Godau tuckerte mit einem umgebauten P4-Motor wöchentlich zum Einkaufen nach Plön, von Sepel besorgte man sich seine Rationen per Ruderboot. Nehmten besaß noch die schweren Arbeitsboote zum Reetschneiden, das der Betrieb selbst verbrauchte und zum Teil auch verkaufte. Die Stadtbeker Straße war bis auf zwei kleinere Häuser unbesiedelt.

Nachdem das Weiterleben gesichert war, wurde der Wunsch nach Freizeitaktivitäten geweckt. Der Große Plöner See war größtenteils von Munitionstauchern abgesucht, so dass man dort wieder Urlaub machen konnte. Auch Dank eines Herrn Barfknecht, der einen ehemals zur Dunkerschen Kate gehörenden Streifen Ödland am Wasser in der Stadtbeker Straße und ein Stück Wiese oberhalb dieses  Grundstücks kaufte. Am Ufer baute er das "Strandhaus Bosau", ein Motel- und Gaststättenbetrieb – die "Urzelle" der SGFB- mit angrenzendem Campingplatz. Viele Menschen verbrachten hier den Sommer in Zelten, Wohnwagen und den kleinen Bungalows des Motels. Für den Wassersport war ein Steg vorhanden.

Foto Motel

links: Bungalows des Motels

 

Später ging das Anwesen an die Holsten-Brauerei. Der Betrieb bekam den Namen "Fährhaus Bosau"; angedacht war nämlich, hier einen Fähranleger zu bauen, jedoch ist dieser südliche Teil des Plöner Sees nie im Linienverkehr befahren worden.

Auf diesem Gelände und am Steg hatten auch einige Gründungsmitglieder der SGFB  Land- und Wasserliegeplätze vom damaligen Wirt der Gaststätte gemietet und gründeten dort mit anderen Seglern am 11.6.1978 den Verein " Segler-Gemeinschaft Fährhaus Bosau".

Man ersetzte den baufälligen Steg in gewaltiger Eigenleistung durch die heutige Ponton-Anlage die René Heise entworfen und maßgeblich mit gebaut hat. Der Verein nahm hierzu einen Kredit auf, für den 8 Mitglieder bürgten.

Wegen zunehmender Mißwirtschaft verlor die Holsten-Brauerei schließlich das Interesse an dem gastronomischen Betrieb und der Liegenschaft. Die bauliche Anlage mit Grund und Boden sollte verkauft werden. Da eine Teilung nicht genehmigt wurde stellte sich die bange Frage, was aus dem Segelparadies werden sollte, das gerade mit erheblichem Aufwand erschaffen war.

Der Verein trat in zähe Verhandlungen mit der Brauerei ein und gründete zu diesem Zweck 1983 eine Gesellschaft, deren Kommanditisten Klaus Griesard, René Heise, Klaus Ruser und die Seglergemeinschaft wurden. Erneut musste zum Ankauf der Liegenschaft tief in die Tasche gegriffen werden, zumal zeitgleich das neben dem Lokal gelegene Grundstück "Zinn" zunächst für kurze Zeit gepachtet und schließlich gekauft werden musste um die Lebensgrundlage des Vereins zu erhalten. Das bebaute Grundstück "Fährhaus Bosau" wurde 1987 Eigentum der Gesellschaft und wurde in 1992 unter den Kommanditisten aufgeteilt. Auf den Verein entfielen die bauliche Anlage des Seglerheims "Fährhaus Bosau" und der gegenüberliegende Parkplatz. Seither ist das die Heim- und Wirkungsstätte der Seglergemeinschaft.

Dr. Dieter Möltgen, 1. Vorsitzender im Juni 2003


 

Das gabs nur einmal ...!

1976 beschlossen wir, unsere "kleine Familie" in einen Zugvogel zu setzen und auf dem Plöner See das große Segelabenteuer zu suchen. Aber wo einen Liegeplatz finden?!

In Dersau durften wir nur vier Wochen als Gäste bleiben, und dann? ... legten wir am Fährhaus Bosau an: eine Motel-Anlage mit fast afrikanischem Ambiente (unsere Kinder liebten die Perlhühner im Gehege), chaotische Steganlage, aber nette Menschen. Und für 300 DM auf Janoskes Kralle – er war der Wirt – hatten wir überraschend einen Saisonliegeplatz. Die vielen krummen Pfähle muteten fast venezianisch an und waren eine besondere Herausforderung beim Ablegen.

Ein Türanschlag am Bosauer Fährhaus lud 1978 zur Gründungsversammlung einer Seglegemeinschaft ein: Mit Elan, technischem Know-How und viel Kraft und Ausdauer schufen die Gründungsmitglieder nach und nach die heutige Anlage. Manchmal hatten wir alle den Eindruck, nicht zum Segeln, sondern zu Bauarbeiten nach Bosau zu kommen!

Unvergessen der gemeinsame "Arbeitsdienst" bei der STRABAG in Trappenkamp unter Renés Leitung: Hier konnten sogar Lehrer inkognito punkten, wenn der Bohrer dank Einsatzes von Bohrmilch länger durchstand.

Unvergessen die Schweißaktion bei West 7 bis 8 mit Klaus Petersen: Ein Verkehrsschild diente mir als Wind- und Wasserabweiser, damit er das neue Steglager anbratzen konnte: Nichts war ihm verhasster als wenn etwas "plünnerig" war.

Unvergessen die ersten Vereinsfeste und Juxregatten unter einfachsten Bedingungen: Mit Kind und Kegel hinter windschützenden Bauplanen um das Lagerfeuer versammelt.

... alte Zeiten

 

Unvergessen auch unser erster Platzwart Karl-Heinz Weiland, der auf dem neu hinzu gekauften Grundstück die grüne Hütte (Bauwagen) "verwaltete" und Bier und Eis bevorratete. Von ihm stammen "Weisheiten", die heute noch in unserer Familie bei passender Gelengenheit zitiert werden: "Kupper is verboten!" was verbotenes Antifouling meinte. Oder: "Gewitter hett sin eign Wind!" was jeder Wetterkundige sofort bestätigen wird.
Über den Wirt hatte er sein Urteil gefällt: "Ick kenn em, he is'n Gauner!"

Unvergessen das "segelnde Spanferkel", das Willi und Hasso "sicher" zum Mitsommerfest per "Hobie 16" auf das Lange Warder brachten.

In bleibender Erinnerung auch die Begegnung mit noblen PSV-Seglern, die beim Vatertagstreffen unvorsichtigerweise unsere angebotenen Schinkenbrote annahmen und dafür höflicherweise ihre Lachsschnitten auf dem Silbertablett darreichten, die wir "haifischmäßig" wegfraßen.

So kommen uns viele Geschichten in den Sinn, wenn wir im Jahre 2003 an 25 Jahre Freizeit in der SGFB zurückdenken.
Wir danken allen für diese erlebnisreiche Zeit und wünschen dem Verein auch für die Zukunft Freude und Erfolg ... und viele neue Mitglieder!

Klaus und Käthe Guttenberger

ursprünglicher Kaffeegarten des "Strandhaus"

Blick von Seeseite

das Strandhaus mit Badesteg

 

Vereinsgeschichte ab 2003

Fortan war Hauptbestreben neben dem Segelbetrieb die Erhaltung unserer Liegenschaft, was wiederum enorme Aufwendungen an „Manpower“ und Finanzen bedeutete.

Es war ein altes Gebäude, das grundlegend instandgesetzt werden musste, zumal es ständig neue Auflagen der Gewerbeaufsicht für den Betrieb der Gaststätte gab, die wir vermietet hatten. Dazu kam die desolate Zahlungsmoral der verschiedenen „Gastronomen“ . Der dadurch notwendig werdende finanzielle Einsatz des Vereins und seiner Mitglieder bei zugleich nicht zu realisierenden hohen Außenständen führten fast zum Zusammenbruch der Seglergemeinschaft.

Es waren harte Jahre, und erst ein radikaler Umbruch brachte die Wende!

Wir änderten die Grundkonzeption des Vereins vollständig, übernahmen die Gaststätte selbst und führen diese fortan mit großem Erfolg als nicht öffentliches Clubhaus.

Seit dem Jahre 2009 sind wir nun wieder in ruhigem Fahrwasser und haben die „Firma“ auf eine solide, zukunftsorientierte Grundlage gestellt.

Nachdem die Mitgliederzahl in den Jahren vor 2009 von ursprünglich einmal 135 auf unter 70 geschrumpft war, weil uns die Zwischengeneration, die Kinder der Ur-Mitglieder, weggebrochen war, die es in alle Winde verstreut hatte, ist seit geraumer Zeit auch ein erheblicher Zuwachs besonders an aktiven Seglern zu verzeichnen. Sehr erfreulich ist hier auch das Anwachsen der Jugendgruppe, sodass wir die 100er Grenze bereits wieder deutlich überschritten haben. Auch erfreut sich der Verein bei Gastliegern einer immer mehr steigernden Beliebtheit, wodurch die Auslastung der Liegeplätze an Land und im Wasser sich ganz hervorragend darstellt. 

Grundlage dafür sind die zahlreichen Investitionen in Organisation, Gebäude, Steg- und Slipanlage sowie die regelmäßigen „gesellschaftlichen“ und kameradschaftlichen Höhepunkte vom Osterfeuer über das Sommerevent bis zum Gänsebratenessen, die die SGFB für ihre Mitglieder und Gäste wieder zum vielleicht attraktivsten Segelverein am Plöner See gemacht haben. 

So können wir jetzt bestens aufgestellt und überaus optimistisch die nächsten 34 Jahre angehen.!

Hasso Wiedmann, geb. 1941, Beirat im Januar 2013

 

35 Jahre SGFB e.V. am 11. Juni 2013

Auch wenn 35 Jahre kein sogenanntes "Großes Jubiläum" sind, ist es eine lange Zeit, die dieser Verein jetzt "überlebt" hat. Aber wie durch meine Vorredner bereits ausführlich beschrieben, hat die SGFB alle Stürme des gesellschaftlichen Wandels, diverse Wirtschaftskrisen und sogar den aktuellen Klimawandel bisher unbeschadet überstanden. Und nicht nur das:

Es geht "unserem Verein" aktuell besser als in vielen Jahren zuvor. Die Mitgliederzahlen haben sich in den letzten 4 Jahren nahezu verdoppelt, und das mit aktiven Seglern! Das hat zu dem "Luxusproblem" geführt, dass wir im Jahr 2013 erstmalig alle Wasser- und Landliegplätze belegen konnten, und eine Warteliste für neue Gastlieger und Mitglieder einführen durften. Und das in einer Zeit, in der besonders Segelclubs an Binnenseeen über einen anhaltenden Mitgliederschwund klagen. Das nennt man wohl antizyklisch!

Alle rund 120 Mitglieder mit Ihren über 60 Schiffen genießen also lieber denn je die einzigartige Natur am Plöner See, das perfekte Segelrevier für Jollenkreuzer, Jollen und Katamarane, sowie das herrliche Vereinsgelände in der harmonischen Gemeinschaft unter Seglern.

Wenn sich weiterhin Alle so für und mit dem Verein engagieren, muss uns auch für weitere 35 Jahre nicht bange sein um "unseren Verein"!

Bernd Vierig

 

Oktober 2014 - Langfristige Absicherung des Vereins durch Großinvestition!

Mit Start der Saison 2015 haben wir eine lange geplante Maßnahme umsetzen können:

Die seit Jahrzehnten zwar durchaus bewährten, aber durch die zunehmend veränderten Windverhältnisse immer problematischer gewordenen, seeseitigen Befestigungen der Boote durch eine Ketten-Bojen-Konstruktion, konnte nun endlich durch stabile Pfähle ersetzt werden.

Durch diese mit Abstand größte Investition des Vereins seit über 20 Jahren, wird nicht nur der Komfort beim An- und Ablegen für alle Wasserlieger signifikant verbessert, sondern auch die Sicherheit der Boote bei Stürmen hat sich elementar erhöht, sodass die Attraktivität des Vereins für alle aktuellen und zukünftigen Segler entscheidend gesteigert wurde!

Wir danken allen Beteiligten des Kreises Ostholstein, ganz besondere Frau Lamp und Herrn Tillmann, für ihre unbürokratische und pragmatische Unterstützung im Genehmigungsverfahren, sowie allen praktischen und administrativen Helfern für ihr Engagement bei der Realisierung.

Nicht zuletzt geht unser großer  Dank an die Firma Stegbau Galle, die in hoher Qualität und Zuverlässigkeit sowie einer professionell, partnerschaftlichen Arbeitsweise, dieses Vorhaben unter hohem Zeitdruck und trotz unerwarteten technischen Herausforderungen zeitgerecht und erfolgreich umgesetzt hat. 

Januar 2015 Bernd Vierig 1. Vors.